Die Entstehung der Georg Ludwig Rexroth-Stiftung
Ludwig Rexroth
Georg Ludwig Rexroth
(Gestorben 1992)
Annemarie Rexroth
Annemarie Rexroth
(Gestorben 2007)
Irmgard Heider
Irmgard Heider
(Gestorben 2013)
Gerd Rexroth
Gerd Rexroth
(Gestorben 2003)
Bernd Rexroth
Bernd Rexroth
(Gestorben 2014)
Eugen Tatarko
Eugen Tatarko
(Gestorben 1986)

Unmittelbar nach dem Ausscheiden aus seinem Unternehmen gründete Georg Ludwig Rexroth gemeinsam mit seiner Ehefrau Annemarie am 30. März 1973 die Georg Ludwig Rexroth-Stiftung.

Sie brachten den Erlös ihrer Anteile an der G. L. Rexroth GmbH in einen Stiftungsfonds ein mit dem Ziel, eigene Entwicklungsprojekte in der Dritten Welt zu fördern und die Funktion sozialer Institutionen durch finanzielle Zuwendung zu gewährleisten.

Die Fördermittel, die der Stiftung jährlich zur Verfügung stehen, stammen aus den Erträgen des Stiftungsvermögens, das durch weitere Zustiftungen der Familie, des Mannesmann Konzerns, der Bosch Rexroth AG und anderer privater Spender aufgestockt wurde.

Beim Aufbau der Stiftung wurde Georg Ludwig Rexroth maßgeblich unterstützt durch den Personalchef der Mannesmann Rexroth GmbH, Eugen Tatarko, der bis zu seinem Tod am 11.6.1986 Geschäftsführer der Stiftung war, durch seine Söhne Gerd und Bernd und durch die langjährige Prokuristin Irmgard Heider, die bis zu ihrem altersbedingten Ausscheiden im Jahre 2010 Mitglied des Beirats war.

Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Lohr am Main.

Georg Ludwig Rexroth - Unternehmer und Menschenfreund

In der pakistanischen Hafenstadt Karachi ist eine Schule nach Georg Ludwig Rexroth benannt, einem Mann, der niemals in seinem langen Leben in Pakistan gewesen ist. Wer ist also dieser ungewöhnliche Mann und warum heißt die Schule so wie er?

Georg Ludwig Rexroth entstammt einer Unternehmerfamilie mit einer mehr als 500 Jahre langen Tradition in der Eisenverarbeitung. Seit dem 18. Jahrhundert sind mehrere Mitglieder der Familie Rexroth im Spessart als Hammerherren tätig gewesen. Im Jahr 1840 beteiligte sich ein Vorfahre Rexroths zur Hälfte am Kauf des unteren Eisenhammers in Lohr am Main. 1850 erwarb er die zweite Hälfte, und 1854 erhielt die Stadt einen Eisenbahnanschluss, was für das Unternehmen von großer Bedeutung war.

Am 3. März 1902 wurde der Namensgeber unserer Stiftung in Lohr geboren. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten rund 70 Personen bei Rexroths Vater. Nach dem Abschluss der höheren Schule studierte er von 1921 bis 1924 mit Abschluss als Maschinenbau-Ingenieur. Daran schloss er ein wirtschaftswissenschaftliches Studium in München an, das er 1928 erfolgreich abschloss und als kaufmännischer Angestellter in die Firma seines Vaters eintrat.

1931 heiratete er Annemarie Faupel. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne und zwei Töchter hervor. 1933 beteiligte ihn sein Vater am Unternehmen. Neben Eisenguss stellte das Unternehmen Maschinen für die Landwirtschaft her.

Am Ende des zweiten Weltkriegs (1945) war das Werk durch Artilleriebeschuss stark beschädigt. Um die Erlaubnis zur Produktion von den Siegern zu erhalten, schlug man der Militärregierung vor, aus dem vorhandenen Material Töpfe, Pfannen und Waffeleisen zu produzieren. 1947 lief die Kochtopfproduktion aus. Stattdessen traten Maschinen für die Landwirtschaft und Fleischereimaschinen in den Vordergrund.

Als Georg Ludwig Rexroth feststellte, dass die amerikanischen Sieger bei den Aufräumungsarbeiten neuartige in Deutschland unbekannte Bagger mit wesentlich höherer Kraft einsetzten, schickte er einen Ingenieur in die USA, um die neue Hydrauliktechnik zu studieren. Schon bald begann er gemeinsam mit seinem Bruder, einem Gießerei-Spezialisten, die ersten Hydraulikventile zu entwickeln.

Die Hydraulik wurde zum großen Erfolg des Unternehmens und machte es zum Weltmarktführer. Mit ursächlich für den großen Erfolg war Rexroths Haltung gegenüber seinen Arbeitern. Sie waren Mitarbeiter, keine Untergebenen. Schon Anfang der 1960er Jahre beteiligte er sie am Unternehmensgewinn. Die starke Expansion in die Weltmärkte erforderte in den Folgejahren mehr Kapital, als die Familie aufbringen konnte. So beteiligte sich 1968 der Mannesmann Konzern, der berühmt war für seine nahtlosen Rohre, mit 50 % an der Firma Rexroth und übernahm das Unternehmen 1975 vollständig. Georg Ludwig Rexroth schied zum 31.12.1972, inzwischen bereits 70 Jahre alt, aus der Geschäftsführung des Unternehmens aus. Allerdings setzte er sich keinesfalls zur Ruhe: Am 31.3.1973 gründete er die Georg Ludwig Rexroth-Stiftung, die er nach dem Verkauf des Unternehmens mit beachtlichem Kapital ausstattete und verfügte, was sie leisten sollte, nämlich für Kranke und bedürftige Menschen in aller Welt da zu sein. Dabei sollten Hautfarbe, politische und religiöse Überzeugung für die Frage der Förderungswürdigkeit keine Rolle spielen. Eine der ersten großen Aufgaben, denen sich Georg Ludwig Rexroth widmete, war die Unterstützung der deutschen Ärztin Dr. Ruth Pfau, die ihr Leben dem Kampf gegen die Lepra gewidmet hat und von Karachi aus bis heute in Pakistan und Afghanistan wirkt.

Durch die Flüchtlingsströme aus Bangladesh nach Orangi alarmiert, stellte Rexroth mit Unterstützung der Firma Siemens zunächst Wasserbehälter für die Trinkwasserversorgung zur Verfügung.

Später entstand dann die Idee, die Ausbildung durch die Gründung einer Schule zu fördern, denn Bildung ist das wichtigste Gut, das jungen Menschen vermittelt werden kann, damit sie später ihr Leben selbst gestalten können. Dabei war es Rexroths Ziel, insbesondere Mädchen zu fördern, die in Pakistan immer noch bei der Vermittlung von Bildung benachteiligt sind.

Am 13. Juni 1992 starb Georg Ludwig Rexroth im Alter von 90 Jahren. Seine Arbeit wurde durch zahlreiche Ehrungen anerkannt: Am 30.3.1977 wurde er zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Lohr ernannt. Ein Jahr später verlieh der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Walter Scheel, ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Nicht nur in Pakistan hilft die Rexroth-Stiftung. Sie unterstützt Bedürftige in vielen Ländern der Erde, z. B. in Südafrika, in Südamerika, in Indien wie auch in den armen Ländern Osteuropas, die unter dem Stichwort "Projekte" beschrieben sind.

Dass seine Ideen auch fast fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod, fortgeführt werden können, zeigt die große unternehmerische Weitsicht Rexroths. Das Kapital der Stiftung gehört einer gemeinnützigen Gesellschaft, die von einer aus drei Personen bestehenden Geschäftsführung geleitet wird. Es darf nicht angegriffen werden. Lediglich die laufenden Erträge dürfen für die zu fördernden Projekte verwendet werden. So ist sichergestellt, dass auch in Zukunft genügend Kapital zur Verfügung steht, um dort zu helfen, wo die Not am größten ist.